Wenn das Sprechen schwerfällt
Der ASB unterstützt Kinder auf dem Balkan
Die 33-jährige Marija Sretkovic arbeitet als Logopädin in der kleinen Universitätsstadt Novi Pazar, die im Südwesten Serbiens liegt. Seit Oktober 2020 führt sie erfolgreich ihre eigene Logopädie-Praxis. Sie hat bereits über 1.800 Kindern mit Sprach- und Entwicklungsproblemen wie Autismus, Hörschwierigkeiten und Aufmerksamkeitsstörungen geholfen. „Die Arbeit mit Kindern ist meine Berufung; sie lässt mich jeden Morgen glücklich aufwachen“, sagt Marija strahlend.
In Novi Pazar, wo Familien im Schnitt vier bis fünf Kinder haben, erkannte Marija den Bedarf an Therapie früh. Zunächst fehlten ihr jedoch die Mittel für eine eigene Praxis, und sie überlegte, nach Deutschland auszuwandern. Dank eines Förderprojekts des Arbeiter-Samariter-Bundes erhielt sie ein digitales Logopädie-Set, das die Behandlungszeit verkürzt und die Therapie effizienter macht. Marija betont, wie wichtig es ist, Sprachprobleme früh zu erkennen, und sieht, dass Entwicklungsschwierigkeiten bei Kindern zunehmen. Umso mehr freut sie sich, dass sie endlich ihre lang ersehnte Logopädie-Praxis eröffnen und mit ihrer Familie in ihrer Heimatstadt Novi Pazar bleiben konnte.
Entwicklungsschwierigkeiten bei Kindern nehmen zu
„Die Familie ist der wichtigste Faktor bei der Früherkennung von Problemen bei Kindern. Aufgrund von Zeitmangel und einem modernen Lebensstil haben Eltern immer weniger Zeit für ihre Kinder und sehen sich gezwungen, ihnen die Sprache über das Telefon, Fernsehen oder Spiele beizubringen“, klärt Marija auf. Das führe dazu, dass es immer mehr Kinder mit Entwicklungsschwierigkeiten gebe.
„Aber ich erlebe jeden Tag kleine Wunder“, sagt Marija lächelnd. Einer ihrer größten Erfolge war die Behandlung eines kleinen Jungen, der mit der Diagnose Autismus in ihre Praxis kam. Nach fast einem Jahr harter Arbeit und mit großer Unterstützung der Familie konnte der Junge sprechen und verstehen, wie es seinem Alter entspricht. Die Mutter des Kindes ist dafür sehr dankbar: „Die Ärzte sagten uns damals, dass wir die Realität akzeptieren müssen. Dass unser Sohn wahrscheinlich nicht in der Lage sein würde, eine normale Schule zu besuchen. Doch innerhalb eines Jahres in der Behandlung bei Marija entwickelte unser Sohn altersgemäße Fähigkeiten im Sprechen, Verstehen und Sozialverhalten. Heute besucht er das Gymnasium und hat Freunde im gleichen Alter.“
Viele Familien in Novi Pazar schätzen es sehr, Marija in ihrer Gemeinde zu haben. Einige ihrer ehemaligen kleinen Patient:innen kommen gerne in ihr Büro, wenn sie in der Nähe sind, um mit einem klaren R, das sie in Marijas bunter Logopädie-Praxis gelernt haben, stolz zu sagen: „ZdRRRRRavoMaRRRRRija“ (auf Deutsch: Hallo Marija).
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Text: Nadine Koberstein