ASB Magazin
Juni 2024
8/17

„Drei ungemein wertvolle Wochenstunden“

Dank Familienpaten erhalten Eltern eine Auszeit und Kinder neue Eindrücke

Das Gespräch mit Christiane Johannsen (links) und Hanna Hofmann gibt es in einer ausführlichen Fassung als Podcast: www.asb-bayern.de/podcast&nbsp


Interview: Kim Naujoks 


ASB

Liebe Frau Hofmann, Sie leiten beim ASB Neu-Ulm das Familienpaten-Projekt. Was genau hat man sich darunter vorzustellen?

Hanna Hofmann

Das Projekt vermittelt Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren möchten, an Familien, die Unterstützungsbedarf haben. Häufig geht es da gar nicht um dramatische Lebensbedingungen – sondern um Eltern, die einfach mal zwischendurch eine Auszeit für sich ohne die Kinder benötigen. Die vermittelten Familienpaten gehen dann in der Regel für circa drei Stunden pro Woche in die Familien und packen dort mit an.  

ASB

Frau Johannsen, Sie sind eine solche Familienpatin. Wie kam es denn dazu, dass Sie sich in diesem Bereich engagieren? 

Christiane Johannsen

Letztlich hat sich das vor fünf Jahren aufgrund meiner damaligen Lebenssituation ergeben. Ich lebte zu diesem Zeitpunkt schon allein, mein Sohn war längst aus dem Haus, ich war nicht mehr berufstätig und hatte Zeit. Ich habe nach einer Möglichkeit gesucht, diese freie Zeit sinnvoll zu nutzen. Durch einen Zeitungsartikel bin ich auf die Familienpaten gestoßen.

ASB

Welche Aufgaben übernehmen Sie als Familienpatin ganz konkret?

Christiane Johannsen

Das ist ganz unterschiedlich. Viele Kinder genießen es sehr, sich gemeinsam mit mir mal ausführlich einem Bilderbuch zu widmen oder in Ruhe ein Brettspiel zu spielen. Wir gehen zusammen auf den Spielplatz oder auch ins Kindermuseum. Kürzlich sind wir bei einem Spaziergang auch an einem Bauernhof vorbeigekommen – zuvor hatte das Kind Bauernhöfe nur aus dem Fernsehen gekannt. So kann ich ein wenig dazu beitragen, den Kindern Heimat und Natur zu vermitteln. 

ASB

Die Einsätze der Familienpaten sind in der Regel auf drei bis sechs Monate beschränkt. Welche Bilanz ziehen die Eltern denn nach dieser Zeit?

Hanna Hofmann

Viele Mütter und Väter freuen sich darüber, dass sie sich getraut haben. Denn anfänglich besteht ja doch häufig eine gewisse Hürde, um Hilfe zu bitten. Wir hatten auch schon Familien, die angeboten haben, dass wir sie als Referenz nutzen können. Also dass wir ihre Telefonnummer an Eltern weitergeben dürfen, die sich noch nicht ganz sicher sind, ob es die beste Idee ist, sich mit einem Familienpaten eine fremde Person ins Haus zu holen. Bei vielen Familien verbleibt nach dem Ende des Einsatzes der Eindruck, dass man auch mit den „nur“ drei Wochenstunden unglaublich viel erreichen kann.