ASB Magazin
März 2024
11/18

„Du bist mein Taxi auf die andere Seite“

Besuchshunde sind zu Gast in Kindergärten, Seniorenzentren oder Hospizen 


Karin Fenzl leitet den Besuchshundedienst in Forchheim. Das Angebot gibt es auch bei den ASB-Verbänden Coburg Land, Pegnitz-Bayreuth sowie München/Oberbayern (an den Standorten München und Ingolstadt).


Interview: Moritz Wohlrab


ASB

Liebe Frau Fenzl, Sie leiten beim ASB Forchheim den Besuchshundedienst. In welchen Einrichtungen sind die Vierbeiner denn regelmäßig zu Gast?

Karin Fenzl

Wir gehen zum Beispiel in Seniorenzentren, um gemeinsam mit den Bewohnerinnen und Bewohnern ein Programm rund um das Thema Hund zu gestalten. Wir erleben dann häufig, dass auch Menschen mit Demenz in eine richtig wache Phase gelangen, den Kopf heben und „Ach, das ist ja mein Bello“ sagen. Sie erinnern sich dann also an ihren eigenen Hund und genießen diesen Moment ungemein.

ASB

Ihr kommt aber auch in Krippen, Kindergärten und Schulen ...

Karin Fenzl

... ja, ganz genau. Zunächst einmal geht es immer darum, den Kindern Wissen zu vermitteln. Wir sprechen dann über Anatomie, Hundeberufe, Hunderassen und vieles mehr. Es geht aber auch um Verantwortung – denn die Kinder dürfen die Hunde selber führen, um zu lernen, worauf es dabei ankommt. Viele Kinder wachsen daran unheimlich und legen auch Ängste ab, die möglicherweise vorhanden waren. Manche Kinder kommen nach unserem Besuch noch schnell ans Auto und fragen, ob sie den Hund noch mal drücken dürfen. Dann denken wir schon, dass wir alles richtig gemacht haben. 

ASB

Eure Tiere sind ja auch als sogenannte „Lesehunde“ aktiv. Was versteht man darunter?

Karin Fenzl

Es geht darum, jene Kinder zu fördern, die Schwierigkeiten mit dem Lesen haben. Denn häufig ist es im Unterricht ja so, dass Mitschüler ein wenig kichern, wenn Kinder mit Leseschwäche beim Vorlesen ins Stocken geraten. Das sorgt für Verunsicherung. Anders ist es, wenn diese Kinder in einer ruhigen Atmosphäre nur dem Lesehund vorlesen können. Der Hund ist wertfrei, stellt die Ohren auf und hört aufmerksam zu. Das gibt den Kindern dann Sicherheit und Selbstvertrauen. 

ASB

Was sind denn ganz besondere Momente, die ihr mit den Besuchshunden erlebt habt?

Karin Fenzl

Beeindruckend sind immer die Begegnungen mit Menschen mit Handicap, vor allem auch mit geistiger Behinderung. Diese werden motiviert, spazieren zu gehen, sich zu bewegen, und erfahren zudem sehr viel Zärtlichkeit mit dem Hund. Für manche ist das die einzige Möglichkeit, mal zu kuscheln. Wir gehen mit unseren Hunden aber auch in Hospize. Eine Kollegin von mir hat dabei gemeinsam mit ihrem Besuchshund namens Taxi einen älteren Herrn besucht. Dieser hat dann den Hund innig gestreichelt und gesagt „Gell, Taxi, du bist mein Taxi auf die andere Seite“. Zwei Tage später ist der Mann dann verstorben.