„Ein gemeinsames Großprojekt, das uns gefordert hat“
Im Einsatz beim Sanitätsdienst während der Fußball-EM
Einen Monat lang spielten Mannschaften aus 24 europäischen Nationen in Deutschland um den Titel des Europameisters 2024. Während Millionen Menschen das Fußballfest zelebrierten und mit ihren Teams mitfieberten, sorgten haupt- und ehrenamtliche Einsatzkräfte des ASB bundesweit in und um Stadien, auf Fanfesten und bei Public-Viewing-Events für die sanitätsdienstliche Versorgung bei Notfällen.
Beim ASB-Regionalverband Berlin-Nordwest, der regelmäßig den Sanitätsdienst am Berliner Olympiastadion stellt, starteten die Planungen für die Europameisterschaft 2024 bereits ein Jahr vor dem ersten Anstoß. „Neben vielen Absprachen und Planungen mit der UEFA und anderen beteiligten Organisationen wie Polizei und Feuerwehr haben wir bereits im Vorfeld Übungen für den Ernstfall durchgeführt“, berichtet Boris Michalowski, Projektleiter des ASB Berlin bei der sanitätsdienstlichen Betreuung im und am Berliner Olympiastadion.

Alleine hier waren zu jedem der sechs Spiele 120 ehrenamtliche Einsatzkräfte am Start, davon über 80 Samariterinnen und Samariter, insgesamt wurden mehr als 6.500 Einsatzstunden abgeleistet. Dabei kamen die Ehrenamtlichen nicht nur aus den Berliner Regionalverbänden, auch vom ASB Ostthüringen, vom ASB Magdeburg und sogar aus Stormarn-Segeberg in Schleswig-Holstein waren Sanitäter:innen angereist.
Für Michael Kahl, Ausbilder beim ASB-Regionalverband Berlin-Südwest, war der ehrenamtliche Einsatz im Stadion sehr wertvoll: „Ich konnte immer wieder beobachten, wie die gelernte Theorie von den Lehrgangsteilnehmer:innen erfolgreich in die Praxis umgesetzt wurde. Umgekehrt kann ich meine im Einsatz gewonnenen neuen Erfahrungen direkt in die Ausbildung einfließen lassen.“
Gute Stimmung, wenige Notfälle
Die Stimmung war unter den rund 70.000 Fans bei allen Spielen im Stadion ausgelassen und positiv. Nur wenige Notfälle, meist kleine Verletzungen und Kreislaufschwächen, mussten behandelt werden. Dieses positive Fazit wurde auch in anderen Stadien und bei den Public-Viewing-Veranstaltungen gezogen. „Die Hilfeleistungen waren sowohl internistisch als auch chirurgisch und für den Sanitätsdienst gut zu bewältigen. Bei sommerlichen Temperaturen spielte das Thema Hitzeerschöpfungen und Kreislaufprobleme natürlich auch eine Rolle“, resümiert Boris Michalowski. Ein besonderer Einsatz war der Sturz eines Besuchers in den Pressegraben des Berliner Olympiastadions, bei dem sich der Gestürzte schwer verletzte. Dank einer gut funktionierenden Rettungskette konnte ihm jedoch schnell und professionell geholfen werden.

Public-Viewing-Veranstaltungen
Neben der Arbeit in den Stadien von Berlin, Hamburg und Leipzig war der ASB bundesweit auch in Fanzonen und bei Public-Viewing-Events im Einsatz, um diese sanitätsdienstlich abzusichern. In Köln fieberten neben 40.000 Menschen im Müngersdorfer Stadion zeitweise mehr als 20.000 Fans vor Großbildleinwänden auf Public-Viewing-Events mit.
Um im Fall einer Großschadenslage schnell reagieren zu können, wurden Einsatzkräfte von ASB, THW und der Feuerwehr in einem Bereitstellungsraum zusammengefasst. Unter ihnen auch die ehrenamtliche Einheitsführerin Jasmin Wilmes vom ASB Köln, die mit ihrem zehnköpfigen Team für solche Notfälle bereitstand. Im Falle des Falles hätte ihre Sanitätsgruppe innerhalb weniger Minuten am Einsatzort eintreffen können, um zu helfen. Damit bei der großen Anzahl von Zuschauer:innen nichts dem Zufall überlassen blieb, wurden auch hier verschiedene Szenarien im Vorfeld geübt, um im Ernstfall schnell und sicher handeln zu können.
Für Jasmin Wilmes war es ein besonderes Erlebnis, dieses Großereignis als ehrenamtliche Einheitsführerin in ihrer Freizeit zu begleiten. „Ich finde es bereichernd, ein Teil der EM 2024 in Deutschland gewesen zu sein, und freue mich, dass auch ich zum Gelingen dieses sportlichen Großereignisses beitragen konnte.“ Der Berliner Fachdienstleiter für Katastrophenschutz, Boris Michalowski, fasste seine Eindrücke nach dem Schlusspfiff im Olympiastadion so zusammen: „Die EURO 2024 wird uns lange in Erinnerung bleiben – als gemeinsames Großprojekt, das uns gefordert hat und das wir schlussendlich sehr gut bewältigt haben. Ein echtes Highlight in unserer Einsatzkarriere.“
Text: Jan Weisbrod