„Jeder Mensch verdient ein Zuhause“
Beim ersten ASB-Sommerfest stand Mitmenschlichkeit im Fokus
Bei sommerlichen Temperaturen und vor der beeindruckenden Kulisse des Deutschen Technikmuseums feierte der ASB Deutschland am 10. Juli 2025 sein erstes Sommerfest in Berlin. Der Abend stand im Zeichen der Botschaft: Mitmenschlichkeit ist das Fundament unserer Gesellschaft.
Der ASB-Bundesvorsitzende Knut Fleckenstein begrüßte rund 120 Gäste aus Politik, Medien, Verbänden und Zivilgesellschaft und hob die Bedeutung des Dialogs in herausfordernden Zeiten hervor: „Die Politik überrascht uns täglich – umso wichtiger ist es, dass wir als Hilfs- und Wohlfahrtsverband Wege finden, unsere Interessen klar und deutlich zu artikulieren. Denn am Ende geht es darum, dass es den Menschen gut geht, für die wir täglich arbeiten.“
Ein Anliegen, das auch Dichterin und Autorin Leah Weigand eindrucksvoll vortrug. Mit emotionaler Tiefe rückte sie das Thema Pflege in den Fokus und sorgte für Gänsehautmomente. Nicht nur die stellvertretende Bundesvorsitzende Christine Theiss war beeindruckt: „Das sind Texte, die ins Herz gehen!“![]()
Annemarie-Renger-Preis 2025 gegen soziale Kälte
Emotionaler Höhepunkt des Abends war die feierliche Verleihung des Annemarie-Renger-Preises an den Hamburger Verein CaFée mit Herz. In ihrer Laudatio würdigte ASB-Präsidentin Dr. Katarina Barley die Einrichtung als Stätte der Hilfe und Menschlichkeit: „CaFée mit Herz ist weit mehr als eine Ausgabestelle für Essen. Es ist ein Ort, an dem Menschen nicht nur versorgt, sondern auch gesehen werden – mit Zuwendung und echter Perspektive.“ Barley betonte, wie wichtig gesellschaftliche Aufmerksamkeit für das Thema Wohnungslosigkeit ist – nicht nur im Winter, sondern auch in den Sommermonaten, wenn Hitze zur tödlichen Gefahr werden kann. „Obdachlosigkeit ist kein individuelles, sondern ein gesellschaftliches Versagen“, so die ASB-Präsidentin. „Jeder Mensch verdient ein Zuhause – und jeder, dem es besser geht, kann helfen.“
Mehr als eine warme Mahlzeit
CaFée mit Herz bietet seit über 20 Jahren einen Hafen für Gestrandete, gibt verzweifelten Menschen Kraft und hilft ihnen wieder auf die Beine. Das Haus ist eine offene Anlaufstelle mitten in Sankt Pauli – für Bedürftige, die infolge ihrer persönlichen Umstände auf die Hilfe anderer angewiesen sind. Rund 300 Menschen täglich finden hier Zuwendung, ein offenes Ohr und ein Stück Anerkennung. Sie bekommen Essen, können duschen, erhalten Kleidung, können sich informieren und finden ärztliche Hilfe – auch ohne Krankenversicherung. Hier haben sie Gelegenheit, aus der Isolation herauszutreten und zumindest zeitweise ihren oft schwierigen Alltag zu vergessen.
Hinter all dem steht ein starkes, engagiertes Team von Fachkräften und über 40 Ehrenamtlichen – alle mit einem großen Herzen und dem Wunsch, Menschen zu helfen. Gemeinsam teilen sie jedes Jahr über 100.000 Mahlzeiten aus – und bieten dabei noch viel mehr: ein freundliches Wort und neue Perspektiven für jene, die am Rande des sozialen Netzes leben oder aus diesem herausgefallen sind. „Ihr zivilgesellschaftliches Engagement ist eine vorbildliche Leistung. Sie haben ein Gesamtpaket von Hilfen geschaffen, die verzweifelte Menschen auf Augenhöhe abholen. Ein Angebot, das sie ermutigt und befähigt, im Leben wieder auf Kurs zu kommen“, so Katarina Barley.
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- Gäste
Für seinen zivilgesellschaftlichen Mut, die gelebte Nächstenliebe und den unermüdlichen Einsatz erhielt das Team ein Preisgeld in Höhe von 10.000 Euro. In ihrer Dankesrede betonten die Vertreter:innen des gemeinnützigen Vereins: „Es geht nur miteinander. Danke, dass Sie uns beim Helfen helfen. Unsere Gäste kämpfen mit Einsamkeit, Angst, Gewalt, Krankheit und Ausgrenzung. In die Obdachlosigkeit rutscht man schnell, doch herauszukommen ist schwer.“ Die Unterstützung des ASB trage dazu bei, die Arbeit vor Ort fortzusetzen.
Zahl der Wohnungslosen ist alarmierend
Mehr als eine halbe Million Menschen sind in Deutschland wohnungslos – deutlich mehr als vor zwei Jahren. Die Zahlen im Wohnungslosenbericht der Bundesregierung sind alarmierend, die Ursachen vielfältig und die Schicksale dahinter fatal. Als wohnungslos gelten Menschen, die über keinen mietvertraglich abgesicherten oder eigenen Wohnraum verfügen, vorübergehend bei Verwandten oder Bekannten untergekommen sind oder in Einrichtungen der freien Wohlfahrtspflege bzw. kommunalen Einrichtungen leben.
Es klingt so einfach: Obdachlose Menschen
benötigen eine Wohnung – oder wenigstens eine selbstbestimmte Wohnform, dann ist ihre Obdachlosigkeit vorbei. Der Teufelskreis „Ohne Wohnung keine Arbeit und ohne Arbeit keine Wohnung“ muss durchbrochen werden. Erst dann ist es möglich, weitere Probleme erfolgreich anzugehen. Doch oft sind es Furcht oder Scham, die Betroffene daran hindern, sich rechtzeitig um Hilfe zu kümmern oder Hilfe anzunehmen. Außerdem ist vielen nicht bekannt, ob und wo es überhaupt Unterstützung in der Nähe gibt. Niedrigschwelligkeit heißt das Zauberwort, damit Menschen sich öffnen und Vertrauen entwickeln können.
Die Hilfsangebote des ASB
Beim ASB ist die Obdach- und Wohnungslosenhilfe schon lange ein Thema. Das ganze Jahr über helfen Fachkräfte in Beratungsstellen und Sozialstationen sowie ehrenamtliche Samariterinnen und Samariter in Kleiderkammern, Suppenküchen, Versorgungsmobilen, Kältebussen und vielen anderen Einrichtungen. Bei seinen Kältehilfe-Aktionen verteilt der ASB Schlafsäcke, Isomatten und warme Socken; bietet eine Suppe und manchmal auch medizinische Versorgung an. Und während der Hitzewellen sind mobile Teams des ASB im Einsatz, um obdachlose Menschen mit Wasser und Sonnenschutz zu versorgen. Inzwischen sterben ebenso viele von ihnen im Sommer an Überhitzung wie im Winter in der Kälte. ![]()
Zur Unterstützung seiner Gliederungen hat der ASB-Bundesverband außerdem ein spendenfinanziertes Förderprogramm aufgelegt. Gefördert werden gezielt Projekte im Rahmen der Wohnungslosenhilfe und -prävention, die nicht durch eine Regelfinanzierung abgedeckt sind.
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Text: Nadine Koberstein/Alexandra Valentino